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Mit Charles Darwin unterwegs auf den Galápagos-Inseln. 
Bericht von Stefan Schomann

Nicht die Menschen, die Tiere sind aus dem Paradies vertrieben worden. Und nur wenige entlegene Ecken blieben von dieser Säuberung verschont, darunter ein paar Vulkaninseln im östlichen Pazifik, die Galápagos, die als einer der letzten Erdenflecken überhaupt vom Menschen aufgespürt worden sind. Doch heute pilgern jährlich bis zu 80000 Touristen dorthin.
Und ich, Charles Darwin, trage die Schuld daran. 
 

Gut, sicherlich nicht allein. Doch ohne meinen folgenschweren Besuch 1835 würden diese Inseln Ihnen vermutlich so viel sagen wie die Alëuten oder die Nikobaren, nämlich herzlich wenig. So aber stehen sie auf Ranglisten über die Naturwunder der Welt regelmäßig ganz oben. Für jeden, der sich auch nur etwas für Naturgeschichte interessiert, kommt eine Reise auf die Galápagos einer Wallfahrt gleich. Denn just hier habe ich, der allgemein berühmte, wenn auch nicht allgemein begriffene Darwin die entscheidenden Indizien für meine Abstammungslehre gefunden.

 

 

Entsprechend bin ich auf den Inseln allgegenwärtig, vom Wandgemälde bis zum T-Shirt. Meist als viktorianischer Patriarch mit Rauschebart und gütig wissendem Blick, als Gottvater der Biologie. Dabei war ich damals 24 Jahre jung, glatt rasiert und wenig mehr als ein verkrachter Medizinstudent. Trotzdem wurden hier eine Insel, ein Vulkan und eine Bucht nach mir benannt, auch die Darwin-Finken natürlich, dazu ein Fledermausfisch, welchen zu entdecken ich die Ehre hatte, und nicht zuletzt die Forschungsstation in Puerto Ayora, wo jährlich an die hundert Wissenschaftler in meinem Geiste die Betriebsgeheimnisse der Natur ergründen.

Auf die Galápagos gelangen Sie heute fast umstandslos. Anderthalb Stunden Flug vom ecuadorianischen Festland, und Sie betreten einen anderen  Stern, der ebenso fremdartig wie verzaubert anmutet. Selbst wenn Sie glauben, alles schon gesehen zu haben, wenn jede Reise Sie nur an eine frühere erinnert, hier werden Sie eines Besseren belehrt. Der Bischof von Panama brauchte 1532 noch eine geschlagene Woche, während der sein Schiff in einer Flaute hierher trieb. »Wir trafen«, so meldete er, »nichts als Seelöwen und Schildkröten an, die so groß waren, dass jede einen Mann auf ihrem Rücken tragen konnte.« Ansonsten nur »Steine und Disteln«, womit der geistliche Herr wohl die drei endemischen Kakteenarten meinte.

In den folgenden Jahrhunderten nutzten Korsaren, Wal- und Robbenfänger die Galápagos als Schlupfwinkel und Proviantstation. Ein früher Gast war 1708 Alexander Selkirk, das Urbild des Robinson Crusoe. 1832 wurde der Archipel dann von Ecuador in Besitz genommen, und drei Jahre später machte ich mit der H.M.S. Beagle hier Station.

Nichts könnte weniger einladend sein als der erste Anblick dieser kargen, widerborstigen Welt. So empfanden es noch alle historischen Besucher, so etwa mein Kollege William Beebe, der 1923 den ersten Bestseller über die Inseln schrieb: »Als ich das Land betrat, überwältigte mich ein sonderbarer Eindruck von Hoffnungslosigkeit.« Das heutige Klischee von den Galápagos als einer sanften Idylle am Äquator stellt ein typisch neumodisches Phänomen dar. Doch ich bitte Sie: Trauminseln fast ohne Süßwasser? Tropenstrände ohne Palmen? Eine Arche Noah so gut wie ohne Säugetiere?

Wir blieben damals nur fünf Wochen, von denen ich keine drei an Land zubrachte. Dafür kamen mir die Forschungsobjekte hier buchstäblich entgegen. Handelt es sich doch um ein Land ohne Furcht, dessen Geschöpfe sich durch unsere Anwesenheit nicht im Geringsten stören lassen. Sie sehen uns allenfalls mit großen Augen an, als wollten sie fragen: »Wer bist du denn?«

Kein Feindbild, keine Fluchtdistanz das wirkt schlicht unnatürlich. Die Seeräuber und Walfänger lachten sich denn auch ins Fäustchen angesichts der grotesk leichten Beute, die hier zu machen war. Sie massakrierten die Schildkröten zu Tausenden, verschmähten aber auch fette Leguane nicht und dezimierten die Pelzrobben fast bis zur Ausrottung. Just diese unbegreifliche Zutraulichkeit lässt freilich auch die Besucher von heute in Verzückung geraten endlich Tiere, die uns fast so gern zu haben scheinen wie wir sie. Die uns für so herzensgut halten, wie wir es niemals sind. Und die obendrein keinerlei Kamerascheu kennen. Hier brauchen Sie kein Teleobjektiv, kein Glück, ja noch nicht einmal Geduld. Hier wird jeder Stümper zum Sielmann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die meisten Neuankömmlinge landen auf Baltra, setzen mit der Fähre nach Santa Cruz über und brausen dann in einem lebenden Fossil von Autobus  nach Puerto Ayora. Noch bis 1926 war diese Insel unbewohnt, heute beherbergt sie die Hälfte der bald 20000 Galápagueños. Die meisten leben in Puerto Ayora, das beinah das Flair eines karibischen Fischerstädtchens besitzt, mit Yachthafen, übermütigen Teenagern und Straßencafés, in denen ein Bier mehr kostet als auf dem Festland ein Mittagessen.  

Mit Charles Darwin unterwegs auf den Galápagos-Inseln von Stefan Schomann

Vortsetzung folgt

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